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Die Weinkultur

von Portugal

portugiesische Weinkultur
Über den Weinbau in Portugal lässt sich unaufgeregt berichten: Die Phönizier brachten Reben und Kultivierungstechniken ins westlichste Land Europas, die antiken Griechen und Römer erweiterten den Weinbau und intensivierten den Handel. Die maurische Herrschaft ab etwa 715 bedeutete für den Rebbau, die Erzeugung und den Konsum von Wein jedoch annähernd das Aus. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts drangen vom Norden her Zisterzienser allmählich nach Portugal vor – sie gründeten etliche Klöster und brachten den Weinbau nachhaltig in Schwung. Der ab 1279 regierende König Diniz I. aus dem Hause Burgund, auch „Ackerbauer“ und „Bauernkönig“ genannt, förderte die Landwirtschaft und den Weinbau derart, dass mit den Erträgen eine Handelsflotte aufgebaut und somit die Grundlage für den Aufstieg zur Weltmacht geschaffen werden konnte.
Schlacht von Aljubarrota bei Alcobaca
In der Schlacht von Aljubarrota bei Alcobaça im Jahr 1385 besiegten die Portugiesen mit der Unterstützung Englands die Spanier und gewannen ihre Unabhängigkeit zurück. Der Vertrag von Windsor in 1386 bekräftigte die Allianz mit Großbritannien (die übrigens noch immer gilt – das älteste diplomatische Bündnis in Europa!). Unter Prinz Henrique de Avis, uns besser bekannt als Heinrich der Seefahrer (welcher zwar keine einzige Entdeckungsreise unternahm, jedoch intensiv die Seefahrt förderte), wurde 1419 zunächst die Insel Madeira wiederentdeckt, im nächsten Schritt besiedelt sowie mit Muskateller- und Malvasia-Trauben bepflanzt. .
Im Jahr 1427 stießen Heinrichs Mannen auf die Azoren – Pater Pedro Gigante brachte kurz darauf die ersten Verdelho-Reben auf die Insel Pico. Dem Weinbau mitten im Atlantik sollte nachhaltig Erfolg beschieden sein: Die Weine der Azoren wurden im 17. und 18. Jahrhundert bis an den Hof der russischen Zaren geliefert. Und zur Feier der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 wurde in den frisch gegründeten USA mit Madeira-Wein angestoßen. Fairerweise sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Piraten kräftig zur Verbreitung der Inselweine beitrugen!.
Azoren
Portwein
Zurück zum Mutterland: Im Jahr 1693 erlebte der Portwein, heute eine der bekanntesten Spezialitäten des Landes, seinen Durchbruch, wenn auch nur als Ersatz-Getränk: Französische Weine, bis dato en vogue, wurden aufgrund hoher Zölle unerschwinglich und in Folge portugiesische Rotweine, vor allem aber Port und Madeira, zu Exportschlagern. Zum Schutz der Portwein-Region Alto Douro erließ Portugal 1756 das weltweit erste Gesetz zur Begrenzung eines Anbaugebiets.
Die Verbreitung von Mehltau und Reblaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts warf die Weinproduktion weit zurück, erst Anfang der 1930er Jahre begann die Rekultivierung der Rebflächen durch zahlreiche Winzergenossenschaften. Die Nelkenrevolution von 1974, die jahrzehntelange Diktatur im Land beendend, und die Öffnung gegenüber der EG sorgten endgültig für eine Renaissance der portugiesischen Weinbaukultur.
Mehltau in Portugal
portugiesische Rebfläche
In Portugal wird heute eine Rebfläche von etwa 250.000 ha bewirtschaftet, die Jahresproduktion liegt bei 5 bis 6 Mio Hektolitern. In fünf Weinbau-Regionen werden über 40 klassifizierte Weine erzeugt, davon 26 mit DOC-Status – dies bedeutet Denominação de Origem Controlada und entspricht unserem Prädikatswein, dem spanischen DOCa oder dem französischen AOP. Sechs Gebiete erzeugen VQPRD-Weine (gleichbedeutend mit Qualitäts- bzw. VDQS-Weinen), acht Regionen produzieren Landwein (Vinho Regional, entsprechend dem französischen IGP, früher Vin de Pays). Der Rest ist nicht näher bezeichneter Tafelwein (Vinho de Mesa).
Dank der unterschiedlichsten klimatischen und geologischen Gegebenheiten verfügt Portugal über mehr als 500 autochthone Rebsorten, wovon zur Weinproduktion etwa 350 Sorten zugelassen sind. Mit dem Malvasia de Colares wird nördlich von Sintra nahe der Atlantikküste einer der überaus seltenen Weine mit noch wurzelechten europäischen Reben (Ramisco) angebaut.
portugiesische Reben
Colares
Die Reblaus, die gutgelaunt fast allen anderen europäischen Reben im 19. Jahrhundert den Garaus machte, konnte im tiefsandigen Boden von Colares nicht überleben. Als wichtigste Rotweinsorten sind Alfrocheiro, Tinta Roriz, Baga, Castelão Francês, Touriga Francesca und Touriga Nacional zu nennen. Die wichtigsten weißen Varietäten sind Alvarinho, Arinto, Avesso, Azal, Bical, Encruzado, Loureiro, Trajadura und Verdelho. Bekanntestes Produkt des Landes war lange Zeit der als Massenwein produzierte Mateus Rosé.
Auf den Azoren wird auf den Inseln Graciosa, Terceira und Pico Wein angebaut. Die Rebfläche beträgt insgesamt ca. 400 ha, die jährliche Weinproduktion kommt auf etwa 12.000 Hektoliter. Auf Graciosa werden nur Weißweine produziert, auf Terceira zudem Süßweine. Auf der Insel Pico werden Rot-, Weiß- sowie Süßweine erzeugt, wobei bei den roten Varietäten Merlot mit rund 45 ha Anbaufläche überwiegt.
Weinbau auf den Azoren
Wetter auf den Azoren
Der Weinbau auf den Azoren ist äußerst arbeitsintensiv und erfordert spezielle Maßnahmen zur Abschirmung gegen die oft starken Winde und das Meersalz. Dazu sind die Rebflächen in Parzellen eingeteilt, die von Mauern aus aufgeschichteten Lavasteinen umgeben sind – nur solchermaßen geschützt können die Rebstöcke Ertrag hervorbringen. Im Jahr 2004 wurden die Currais, diese einzigartigen Weingärten auf der Insel Pico, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Dieser Text wurde von Charlotte Münch recherchiert und verfasst. © Copyright & Nutzungsrechte aller Texte von weinstore24 liegen bei caracter.tv.