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Die Weinkultur

des Libanons

Libanon Gebirge
Das Gebiet des Libanon gehört zu den ältesten Wein kultivierenden Regionen der Erde. In der Bekaa-Ebene werden derzeit auf rund 30.000 ha etwa acht Millionen Flaschen jährlich produziert. Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. ist der Weinbau im Libanon belegt, vermutlich brachten ihn die Phönizier ins Land. Mit libanesischem Wein wurde in der Antike und im frühen Mittelalter in ganz Südeuropa gehandelt. Mit der Ausbreitung der Araber und des Islam ging der Anbau zurück, dem relativ hohen Anteil an Christen ist es zu verdanken, dass er auf einem gewissen Niveau erhalten blieb. So bauten die christlichen Klöster weiter Wein für den Messbedarf an. Der moderne Weinbau begann im Jahr 1857 durch Jesuitenmönche in Ksara, einem Vorort von Zahlé. Sie legten auch ausgedehnte Weinkeller an, in denen noch Weine von 1918 lagern und die heute ein Touristenziel sind. Die Nachfrage nach Wein im Land stieg im 20. Jahrhundert stetig. Der Libanesische Bürgerkrieg brachte die Weinproduktion zwischen 1975 und 1990 beinahe zum Erliegen, seit dessen Ende ahat sich der Weinanbau jedoch wieder erholt, die Weinberge wurden nach modernen Grundsätzen wieder rekultiviert und erzeugen eine international anerkannte Qualität.
Ararat
Mehrere Weingüter zeichnen sich heute durch die Produktion von Spitzenweinen aus, die auf internationalen Wettbewerben ausgezeichnet werden: Château Musar, das auch während des Bürgerkriegs fast durchgehend produzieren konnte und die Güter Château Ksara, und Château Kefraya, St. Thomas. Durch den Einfluss Frankreichs während des französischen Mandats 1920–43 werden heute 16–17 vorwiegend französische Rebsorten angebaut. Unter den Rotweinsorten Cinsaut, Carignan, Mourvèdre, Grenache und Merlot, ferner Cabernet Sauvignon und Syrah. Die häufigsten Weißweinsorten sind Sauvignon Blanc, Ugni Blanc, Sémillon, Clairette Blanche und Chardonnay. “Libanesische Weine zählen zu den besten der Welt: Jahrgang für Jahrgang erhalten sie auf internationalen renommierten Wettbewerben höchste Auszeichnungen. Trotz Ihrer 7500 Jahre alten Weinkultur sind sie hierzulande noch viel zu wenig bekannt – und getrunken!”
Das Bekaa–Tal (Bekaa Valley) mit der Verwaltungshauptstadt Zahlé als Mittelpunkt bildet das heutige Zentrum des libanesischen Weinbaus. Es ist, bis auf wenige Lagen im Libanon-Gebirge, die einzige Anbauregion. Einige Produzenten experimentieren mit neuem Terroir, insbesondere in Bhamdoun, Kfifane, Richmaya und Jezzine. Die Hänge der Bekaa sind bis zu 1.300 Meter Höhe mit Reben bepflanzt, wofür die klimatischen Voraussetzungen geradezu ideal sind: Die Sonne scheint an rund 300 Tagen im Jahr und das nahe Mittelmeer wirkt als Temperaturregler. Nachts gehen die Temperaturen von 30°C auf bis zu 15°C zurück. Die Nächte in den höheren Lagen sind sogar ausgesprochen kühl, und es gibt ausreichend Feuchtigkeit, so dass sich der Reifeprozess verlangsamt und die Trauben voll ausreifen und natürliche Säure entwickeln können, bevor sie geerntet werden. Die Lese beginnt meistens Anfang bis Mitte September, in 2010 aufgrund der andauernden Hitze sogar bereits im August. Auch die Böden in der Bekaa-Ebene sind für den Weinbau wie geschaffen. Die Steine speichern die Tageswärme und geben sie in den kühlen Nachtstunden ab. Die Lehmböden dagegen speichern die Feuchtigkeit und ersparen den Winzern eine künstliche Bewässerung der Reben, obwohl von Mai bis September kein Regen fällt (in 2010 von Februar bis Dezember!). Aufgrund der klimatischen Bedingungen werden weder Spritzmittel in den Weinbergen noch Zusätze bei der Weinherstellung benötigt, so dass eine naturnahe Bewirtschaftung und Produktion erreicht wird. Die meisten Reben wachsen als niedrige Büsche und brauchen wenig Pflege. Die Bedingungen sind ideal für opulente, dichte, elegante, rund strukturierte, konzentrierte Rotweine und frische, fruchtige Rosé- und Weißweine mit hervorragender Säure.
Zu den zahlreichen lokalen Rebsorten gehören Merweh und Meroué. An der Produktion sind dutzende Unternehmen beteiligt, die in der Weinbauvereinigung zusammengeschlossen sind. Diese soll die harmonische Entwicklung des Weinbaus durch entsprechende interprofessionelle Strukturen fördern. Seit 1893 wird im Libanon auch eine Spirituose namens Arak destilliert, ein Tresterbrand, der hier der Tradition folgend mit Anis aromatisiert wird. Danach wird die Mischung noch 1–2 mal gebrannt, um das Aroma zu konzentrieren. Etwa 70 % der Produktion werden exportiert. Es handelt sich jedoch nicht um echten Arak, da dieser aus Palmsaft und Reismaische hergestellt wird. Die vorherrschenden Rebsorten orientieren sich vornehmlich am Vorbild französischer Weinanbaugebiete, denn von 1920 bis 1946 war der Libanon französisches Mandatsgebiet. In dieser Zeit wurden viele der noch heute bewirtschafteten Rebflächen angelegt. Bei den roten Sorten überwiegen Cinsaut, Carignan, Mourvèdre, Grenache und Merlot, dazu kommen Cabernet Sauvignon und Syrah. Die großen Château Weine von Musar, Ksara und Kefraya sind Cuvées mit Cabernet Sauvignon, die in Barriques ausgebaut werden. Das Ergebnis sind schwere und wuchtige Weine mit ausgesprochen schöner Frucht und Würze. Bei den Weißweinsorten sind vor allem Sauvignon Blanc, Ugni Blanc, Sémillon, Clairette und Chardonnay verbreitet. Dazu kommt eine Vielzahl lokaler Reben wie Merweh (mit Sauvignon Blanc verwandt) oder Meroué.
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