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Die Wiege

der Weinkultur

Ararat
Die früheste überlieferte Anleitung zur Vinifizierung soll von Mago stammen, einem phönizischen Schreiber und Agrar-Experten. Dies verwundert kaum, waren doch die Levantiner nicht nur herausragende Händler und Seefahrer, Entwickler des Alphabets und Erfinder der Glasbläser-Kunst – sie betrachteten die Landwirtschaft als Naturwissenschaft und wurden schon zu ihrer Zeit als hocherfahrene Bauern geschätzt. Jener Mago lebte im 2. Jh. v. Chr. und verfasste insgesamt 28 Schriften rund um den Landbau. Diese in Punisch, der Sprache der Phönizier, gehaltenen Bücher fanden solche Beachtung, dass sie ins Griechische und Lateinische übersetzt wurden, später auch ins Arabische. Leider sind heute nur einige wenige Passagen seines monumentalen Werks erhalten. Darunter findet sich folgendes Rezept zur Bereitung von Rosinenwein, dem die Römer übrigens sehr gern zusprachen:

"Pflücke einige gut gereifte Trauben und entferne alle Beeren, die von Mehltau befallen, schimmelig oder beschädigt sind. Treibe im Abstand von vier Fuß gegabelte Äste oder gebündelte Ruten in den Boden. Lege Schilfrohr darüber und breite die Trauben darauf in der Sonne aus. Des Nachts bedecke sie, so dass sie vom Tau nicht feucht werden. Sind sie getrocknet, zupfe die Beeren von den Stielen und gib sie in einen Krug. Füge so viel unfermentierten Wein hinzu – vom besten, den du hast – bis die Trauben gerade bedeckt sind. Nach sechs Tagen haben sich die Beeren vollgesogen und sind aufgequollen. Schütte sie in einen Korb, presse sie und fange die austretende Flüssigkeit auf. Als nächstes presse den Trester, wobei du frischen unfermentierten Wein aus anderen Trauben hinzugibst, der zuvor drei Tage lang in der Sonne stand. Gut vermischen und pressen. Das Ergebnis dieser zweiten Pressung sofort in dichte Gefäße füllen, damit es nicht sauer wird. Nach der Fermentation von 20 oder 30 Tagen in frische Gefäße umfüllen, die Deckel mit Gips bestreichen und mit Leder abdecken."

Das phönizische Reich gehört zu den ältesten Weinanbaugebieten der Welt. Ausgrabungen in der antiken und libanesischen Stadt Byblos brachten 5.000 Jahre alte Reben hervor. Seit dieser Zeit muss es hier eine Weinbau-Kultur gegeben haben. In der Antike gehörte dieses Gebiet zum historischen Kaanan, das im Alten Testament als das phönizische „Land des roten Purpurs“ (die Phönizier sind nach Phoinix benannt, dem griechischen Wort für Purpur) bekannt war. Im Kanaan verwandelte Jesus Wasser in Wein. Die ersten Reben zur Weinerzeugung wurden von phönizischen Händlern aus dem südlichen Kaukasus und Anatolien ins Land gebracht. Es handelte sich wahrscheinlich um die Vitis vinifera pontica, eine mutmaßliche Vorgängerin der Chardonnay-Rebe.
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Die polyglotten und geschäftstüchtigen Phönizier unterhielten die wichtigsten Warenumschlagplätze der damaligen Zeit – in ihren Häfen Beirut, Byblos, Sidon und Tyros trafen nämlich die Weihrauch- und später auch die Seidenstraße auf die Schiffsrouten des Mittelmeers. Wein spielte eine wichtige Rolle in der phönizischen Religion. Die Römer errichteten zu Ehren von Bacchus, dem Weingott, im 2. Jh. n. Chr. einen Tempel in Baalbek, der heute noch existiert. In der Tat hat der großartige Tempel von Heliopolis viele Schilderungen über den Weinanbau und den Weinkonsum. Genesis 14:18 erwähnt, dass der phönizische König Melchizedek Abraham Brot und Wein gab und Hosea 14:8 deutet darauf hin, dass „sein Ruhm so sein soll wie der Wein aus dem Libanon“.
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