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Die Weinkultur

von Deutschland

Deutsche Weinkultur an der Mosel
Wildreben waren im Moselraum schon in der Jungsteinzeit verbreitet, also mit dem Beginn der Sesshaftigkeit vor etwa 13.000 Jahren. Überliefert ist, dass unsere keltischen Vorfahren, erwähnt ab Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr., gerne dem Wein zusprachen – er stand bei ihnen so hoch im Kurs, dass für eine Amphore mit 25 Litern ein Sklave „gezahlt“ wurde. 1977 stießen Archäologen in der Region um Trier auf Anlagen, die dortigen Weinbau ab dem 1. Jahrhundert in Hang- bzw. Steillagen belegen. Kurz darauf wurden ähnliche Funde aus der Zeit des Imperium Romanum in der Pfalz bei Bad Dürkheim und Wachenheim gemacht.
Funde der ersten Kelteranlage in Ungstein
Die wichtigsten Belege für römischen Weinbau in Süddeutschland entdeckte man im altrömischen Weingut Weilberg in Ungstein, das bis etwa 400 n. Chr. betrieben wurde. Hier wurden u.a. ein Kelterhaus mit zwei Traubentret- und einem Mostsammelbecken freigelegt, außerdem die zu einer Baumkelter passenden Steinsäulen. Die in einem Bleigefäß gefundenen Rebsamen deuten darauf hin, dass Wein sowohl aus Wildreben als auch aus Sorten vinifiziert wurde, die mit Riesling, Traminer oder Burgunder vergleichbar sind.
Weitere bedeutungsvolle Relikte der römischen Weinkultur sind Flaschen als Grabbeigaben – besonders beeindruckend jene, die in Speyer gefunden wurden, aus der Zeit vor 300 n. Chr. stammen und tatsächlich noch flüssigen Wein enthielten. .
Speyer
Weinreben und Felder an der Mosel
In seinem Reisebericht Mosella aus dem Jahre 371 n. Chr. pries der Staatsbeamte Ausonius die anmutige, fruchtbare Flusslandschaft und den Weinbau im Moseltal. Zwei Jahrhunderte später beschrieb der Dichter Venantius Fortunatus vollmundig die Rebhänge an Mosel und Rhein.
Im Jahr 628 schenkte der Frankenkönig Dagobert I. den Lobdengau mit der Stadt Ladenburg dem Bistum Worms. In der Urkunde dieser Stiftung finden sich Rebfelder in dieser Gegend erwähnt, was als erster Nachweis eines rechtsrheinischen Weinbaus gilt. Die Geschichte des Weinbaus im Ahrtal lässt sich bis in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts zurückverfolgen, in der Pfalz ist bis zum Jahre 900 der Weinanbau in 70 Orten urkundlich belegt.
Weinbau im Ahrtal
Karl der Große von Franken
Karl der Große (Franken-König von 768 bis 814) erließ 812 eine Landgüterverordnung, wonach Wein in Fässern und nicht in Schläuchen aufzubewahren wäre und dass die Trauben „wegen der Reinlichkeit“ nicht mit den Füßen entsaftet werden dürften. Bis heute hält sich die Legende, dass darin den Winzern das auch Recht eingeräumt wurde, den eigenen Wein auszuschenken, wie es in den so genannten Strauß-, Besen- oder Heckenwirtschaften üblich ist – davon allerdings findet sich in der Domänenverordnung des ersten deutschen Kaisers keine Silbe. Dank Karls intensiver Förderung des Christentums kam der deutsche Weinbau nachhaltig in Schwung. Etliche der heute noch bekannten Weinlagen gehen auf Klostergründungen dieser Zeit zurück. Insgesamt produzierten die Mönche während vieler Jahrhunderte äußerst erfolgreich Wein, vielfach die klösterliche Haupteinnahmequelle – gute Verbindungen mit dem weltlichen Adel waren durchaus förderlich!
Vom 9. bis ins 14. Jahrhundert herrschte in unseren Breiten ein vergleichsweise mildes Klima. Aufgrund dieser günstigeren Lebensbedingungen nahm die Bevölkerung stark zu, in ganz Europa blühte der Weinbau. Großflächige Rebfelder wurden oftmals in der Nähe von Städten angelegt, um den regionalen Markt beliefern zu können – die Nachfrage stieg immens. Schon allein die Tatsache, dass Wein wegen seines Alkoholgehaltes deutlich weniger Keime als Wasser enthielt und somit sauberer war, steigerte seine Beliebtheit. .
Weinbau in Europa
Weinbau in Deutschland
Diese ging so weit, dass Anfang des 16. Jahrhunderts Oberschwaben und das stark bewaldete Nord-Franken gerodet wurden. Im Westen unseres Landes ist der Weinbau am Niederrhein, im Lahntal, am Rande des Taunus, im Sauerland, an der Ruhr sowie südlich von Münster dokumentiert. Zu jener Zeit erreichte die Rebfläche das größte Ausmaß der deutschen Weinbau-Geschichte.
Auch in klimatisch ungünstigen Gebieten angelegt, reichten die Weinfelder im Norden bis nach Kloster Doberan bei Rostock, an Aller und Weser in Niedersachsen, im Osten von Königsberg bis Schlesien. Die Qualität der Weine dieser Region wurde nicht gerade besungen – Wein wurde insbesondere für die Liturgie benötigt, egal welcher Güte. Die gesamte Rebfläche Deutschlands erstreckte sich auf mehr als 300.000 Hektar, etwa dreimal so groß wie heute, allerdings zählte damals auch das Elsass dazu..
Weinbau im Kloster Doberan
Getreide
Die starke Expansion bei steigender Konkurrenz gehaltvollerer französischer und italienischer Weine, noch dazu besserer Qualität, mündeten in einem Überangebot – die Preise sanken. Bauernaufstände, eine Verschlechterung des Klimas und verheerende Kriege führten im 16. und 17. Jh. schließlich dazu, dass viele Rebfelder aufgegeben wurden. Die Nachfrage nach Getreide für Brot, demzufolge auch für Bier, stieg: In vielen Gebieten Deutschlands wurde der Ackerbau attraktiver als der Weinbau.
Die Versorgung mit Lebensmitteln hatte Vorrang, getreu dem Motto: „Wo der Pflug kann gehen, soll kein Rebstock stehen". Dessen ungeachtet wurde insbesondere in der Pfalz weiterhin großflächig Weinbau betrieben. Die jeweiligen Landesherren bestimmten erwünschte und unerwünschte Rebsorten. Größtes Augenmerk legten sie auf die Lese – schließlich resultierte aus der Erntemenge die Abgabe des Zehnten. Um eine Vorlese zu verhindern, wurden die Weinberge nach Reifebeginn geschlossen.
Weinbau in der Pfalz
Hambacher Fest
Gegen Ende des 18. Jh. annektierte die Französische Republik die linksrheinischen Gebiete des Deutschen Reichs. Die großen Weingüter wurden verstaatlicht, geteilt und versteigert – meist an die bisherigen Pächter. Doch der Wandel von einer herrschaftlich vorgegebenen Bewirtschaftung und Vermarktung hin zu eigenverantwortlichem Anbau und Handel bedeutete für das Gros der kleinbäuerlichen Winzer ein Leben am Existenzminimum, Weinbau- und Kellertechnik stagnierten. Die Not der Winzer war eine der Ursachen ihrer Beteiligung am „Hambacher Fest“ im Jahre 1832.
Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer recht speziellen Erfindung: Der Regierungsbeamte Ludwig Gall, zuständig für Domänenangelegenheiten, wollte die Misere der Mosel-Winzer lindern. Mehrere schlechte Ernten, insbesondere in 1850, brachten viele dazu, den Weinbau aufzugeben. Gall entwickelte das Verfahren der „Nassverbesserung“ (später auch Nasszuckerung genannt): zum Wein hinzugegebenes Wasser reduzierte die Säure und Zucker ersetzte den Mangel an Sonne. Laut Gall ein schlichtweg ideales Procedere, um „selbst aus unreifen Trauben einen sehr guten Mittelwein zu erzeugen.“
Ludwig Gall
Gedenktafel von Ludwig Gall
Hier schüttelt es den Weinliebhaber, und 1971 wurde in Deutschland dieses Vorgehen verboten. Gall hätte dies verwundert – er sah in seiner „Verbesserung“ keine Verfälschung des Weines, den er sowieso für ein Kunstprodukt hielt. Seinerzeit wurde Gall als Retter des Weinbaus in jener Region gefeiert, jedoch ruinierte sein Verfahren den Ruf des Moselweines nachhaltig, der lange als minderwertiges Billigprodukt galt. Doch gab es auch „gute“ Entwicklungen im Weinbau! Hier ist beispielsweise Christian Ferdinand Oechsle zu nennen – er erfand in den 1820er Jahren seine Waage, das bis heute wichtigste winzerische Arbeitsgerät zur Bestimmung des Zuckergehalts von Most.
Der Ökonomierat und Weingutsbesitzer Gustav Adolf Froelich (1847-1912) war ein rechter Weinbaupionier. Sich frühzeitig mit neuen Techniken beschäftigend, ging er als einer ersten mit Schwefel gegen den Echten Mehltau in seinen Weinbergen vor. Zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus experimentierte er mit „Bordeaux-Brühe“, einer Mischung aus Kupfersulfat, Kalk und Wasser, bis heute auch im biologischen Weinbau zugelassen. Besondere Verdienste aber erwarb sich Froelich ab dem Jahre 1876 mit der Begründung der Klonenselektion bei der Züchtung von Reben in Deutschland. Seine Silvaner-Hochzucht wurde 1925 als erste Rebsorte in das Zuchtregister der DLG eingetragen. Gustav Adolf Froelich kreierte auch die Färber-Neuzüchtung Dunkelfelder.
Mehltau & Gustav Adolf Froelich in der Pfalz
Reblaus
Einen schweren Einbruch erlitt der deutsche Weinbau mit der Invasion der Reblaus. Aus den USA eingeschleppt zu Beginn der 1860er Jahre, machte sich dieses Untier zunächst über die Rebfelder Frankreichs her und vernichtete sie zu über 75%. Ein Jahrzehnt später war der perfide Schädling in Deutschland angekommen, auch hier seine verheerenden Spuren hinterlassend.
In Frankreich wurde zu Beginn des 20. Jh. schließlich als einzig wirksame Gegenmaßnahme das Verfahren des Veredelns entwickelt: das Aufpfropfen der Oberteile europäischer Varietäten auf amerikanische Unterlagsreben, weil jene Reblaus-resistent sind. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland die gesetzliche Vorgabe erlassen, ausschließlich veredelte Pfropfreben zu pflanzen. Übrigens ist der Reblaus bzw. dem Veredeln ein eigenes Kapitel gewidmet > mehr dazu finden Sie unter diesem LINK
Veredeln der Rebstöcke
Weingesetz von Deutschland
Im Jahr 1892 wurde das erste deutsche Weingesetz erlassen, welches – mit der einen oder anderen Änderung bzw. Ergänzung – bis heute inkraft ist. Darin sind alle Regelungen zum Anbau, der Herstellung, der Kennzeichnung und dem Verkauf von Wein zusammengefasst. Ursprünglich verbot das Weingesetz das Inverkehrbringen von Kunstwein – bis Ende 2005 durften diese Weine (meist aus Kalifornien, Australien und Neuseeland) nicht gehandelt werden. Jedoch war diese Regelung mit EU-Recht unvereinbar: Seit dem Inkrafttreten des Weinhandelsabkommens zum 1. Januar 2006 sind Produktion und Verkauf dieser Kunstweine sind in der EU zulässig.
Werfen wir abschließend noch einen Blick auf unsere 13 deutschen Weinanbaugebiete. Sie weisen im Einzelnen folgende Rebflächen auf: Rheinhessen 26.560 ha, Pfalz 23.600 ha, Baden 15.820 ha, Württemberg 11.345 ha, Mosel 8.800 ha, Franken 6.125 ha, Nahe 4.200 ha, Rheingau 3.170 ha, Saale-Unstrut 770 ha, Ahr 565 ha, Sachsen 500 ha, Mittelrhein 470 ha sowie Hessische Bergstraße 450 ha. Insgesamt wird in Deutschland auf ca. 102.400 Hektar Wein angebaut.
Anbaugebiete in Deutschland
Produktion von deutschen Winzern
Der Ertrag ist sehr hoch: Erzeugt werden durchschnittlich gut 9,2 Mio hl pro Jahr, davon zu zwei Dritteln Weißwein. Schaut man auf die Güteklassen, so liegt die Herstellung von Landwein bei 2,1%, von Qualitätswein bei 74,9% und Prädikatsweine machen 23% aus. Mit einer Rebfläche von 5.334 Hektar ist Deutschland größter Weißburgunder-Produzent der Welt, gleiches gilt für den Anbau von Riesling auf 23.809 ha.
Deutschland liegt nach Frankreich, Italien und Spanien auf dem vierten Rang der größten Weinexporteure Europas, weltweit betrachtet auf Platz acht. Rund 1 Mio. Hektoliter werden in über 100 Länder exportiert, etwa 11 % der Jahresproduktion. Hauptabnehmer sind die USA, die Niederlande, Großbritannien, Polen und China. Nach anhaltendem Abwärtstrend für deutsche Weinexporte stiegen seit 2017 Menge und Wert jeweils um ca. 7% an. Der Durchschnittspreis bei den Qualitätsweinen (Exportanteil 71%) liegt bei 3,32 Euro pro Liter. Bitte schauen Sie sich um: In unserem umfangreichen Sortiment finden Sie auch Spitzenweine führender deutscher Weingüter!
Weinkeller & Barriques
Dieser Text wurde von Charlotte Münch recherchiert und verfasst. © Copyright & Nutzungsrechte aller Texte von weinstore24 liegen bei caracter.tv.